Von alten Feuern und wandernden Gartenstühlen

 


Von alten Feuern und wandernden Gartenstühlen. 

Mein Beltane im Hotzenwald

Wenn der April zu Ende geht und der Nebel morgens noch tief in den Tälern des Hotzenwaldes hängt, spürt man es deutlich: Etwas verändert sich. Es ist die Zeit von Beltane. Während die alten Kelten früher riesige Feuer entzündeten, um den Frühling zu begrüßen, feiern wir hier im Dorf heute eine ganz eigene, lebendige Tradition, die diesen Funken weiterträgt.

Zwischen Kirchturm und Bürgerhaus

Mitten im Herzen unseres Dorfes, dort, wo sich Kirche, Schule, Kita und das alte Bürgerhaus treffen, schlägt am 30. April der Puls. Es ist ein Ort mit Geschichte. Das Bürgerhaus war früher das Feuerwehrhaus, und auch wenn die Wehr heute am Sportplatz ihr Quartier hat, ist der Platz geblieben, was er immer war ~ unser Treffpunkt.

Hier wird er aufgestellt ~ unser Maibaum. Es ist jedes Jahr ein kleines Spektakel aus purer Muskelkraft und Technik. Wenn der Traktor anrollt und die Männer mit vereinten Kräften anpacken, um die stolze Tanne händisch in den Himmel zu hieven, halten wir alle kurz den Atem an. Es hat fast etwas Rituelles, wie der Baum langsam emporsteigt, bis er fest verankert über den Dächern thront.

Der Hock: Wo Gemeinschaft gefeiert wird

Sobald der Baum steht, beginnt der gemütliche Teil ~ der Hock. Für mich ist das der Moment, in dem die alte Bedeutung von Beltane ~ die Gemeinschaft und die Lebensfreude ~ so richtig spürbar wird.

Man rückt zusammen, die Musik spielt auf, und der Duft von frisch gegrillten Steaks und Würstchen vom einheimischen Metzger zieht über den Platz. Dazu gibt es ein kühles Fürstenberg vom Bierwagen (und wer genau hinschaut, entdeckt sicher auch das eine oder andere „Zäpfle“ in der Hand). Es sind diese Stunden, in denen wir den Winter endgültig verabschieden. Man lacht, man schwätzt, und die Kinder flitzen zwischen den Tischen umher. Ein Fest für alle Generationen.

Die Nacht der fliegenden Gartenstühle

Aber Vorsicht: Wer am 30. April seinen Garten nicht „festnagelt“, erlebt am nächsten Morgen oft eine Überraschung. Denn wenn die Dämmerung hereinbricht, beginnt die Freinacht.

Früher, in meiner Jugend, waren wir selbst in dieser Nacht unterwegs. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, war vor uns nicht sicher. Terrassenstühle wanderten in fremde Gärten und Blumenkübel fanden plötzlich ein neues Zuhause. Was wir sonst noch so angestellt haben? Das bleibt bis heute unser gut gehütetes Geheimnis... 🤐 Später, in meiner Zeit als Gastronomin, hat mich das Karma dann eingeholt. 🥴 Da durfte ich morgens im ganzen Dorf meine Utensilien wieder einsammeln. Wenn man die Deko erst nach einer Suchaktion beim Nachbarn wiederfindet, weiß man: Der Mai ist da. ;)))

Ein musikalisches Erwachen

Noch bevor die Sonne am 1. Mai richtig aufgegangen ist, hört man sie schon. Die Klänge des Musikvereins. Es ist ein wunderschöner Brauch, dass die Musiker (und oft auch der Gesangsverein) in aller Frühe von Haus zu Haus ziehen und zwei, drei Lieder spielen. Die Hausbesitzer öffnen die Türen, es gibt einen ersten Umtrunk und das ganze Dorf erwacht mit Musik.

Für mich persönlich war das immer der emotionalste Teil. Als ich noch mein Restaurant führte, war unser Haus der traditionelle Schlusspunkt der Runde. Wenn sich der Musikverein, der Gesangsverein und die Dorfgemeinschaft bei uns versammelten, war das Haus voll Leben. Es waren anstrengende Tage, keine Frage, aber die Freude und das Lachen, das durch die Gaststube schallte, haben alles wettgemacht. Ich erinnere mich mit so viel Wärme an diese Momente zurück.

Der nächste Hock: Wo Gemeinschaft gefeiert wird

Nach dem musikalischen Wecken geht es nahtlos über in den Maihock. Hier wird die alte Bedeutung von Beltane ~ die Gemeinschaft und die Lebensfreude ~ so richtig spürbar.

Man rückt wieder zusammen, der Duft von frisch gegrillten Steaks und Würstchen vom einheimischen Metzger zieht über den Platz und das Bier vom Bierwagen schmeckt in der Maigesellschaft doppelt gut. Es sind diese Stunden, in denen wir den Winter endgültig verabschieden.

Der Zauber des Neuanfangs

Für mich ist dieser Tag die perfekte Verbindung von alt und neu.

  • Früher: Ein Fest für die Fruchtbarkeit der Erde und den Sieg des Lichts.

  • Heute: Ein Fest für den Zusammenhalt in unserem Dorf und die Freude an der Natur, die uns hier im Hotzenwald umgibt.

Egal, ob man an die alten Mythen der Kelten glaubt oder einfach nur die Geselligkeit liebt.

Wenn wir gemeinsam unter dem Maibaum sitzen, spüren wir, dass das Leben wieder richtig aufblüht.


Wie feierst du den Mai-Anfang? Wirst du auch mit Musik geweckt oder musst du am Morgen erst einmal deine Gartenmöbel suchen? Schreibt es mir gerne.

Noch etwas zum Allgemeinwissen

Zum Schluss die allgemeine Bedeutung vom 30. April zum 1. Mai.

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai feiern viele Menschen das Fest Beltane (oder Beltaine). Es ist eines der vier großen keltischen Jahreskreisfeste und markiert den endgültigen Sieg des Frühlings über den Winter.

Hier ist eine Übersicht, was hinter diesem Fest steckt:

1. Bedeutung und Ursprung

Der Name leitet sich vermutlich von bel-tene ab, was so viel wie „leuchtendes Feuer“ oder „Feuer des Bel“ (eines keltischen Lichtgottes) bedeutet. Es ist das Gegenstück zum herbstlichen Samhain-Fest. Während es bei Samhain um den Rückzug und die Ahnen geht, steht bei Beltane alles auf Anfang, Wachstum und Lebensfreude.

2. Zentrale Symbole und Bräuche

Das Fest ist tief in der Naturmystik verwurzelt:

  • Das Feuer: Traditionell wurden große Freudenfeuer entzündet. Das Vieh wurde zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben, um es rituell zu reinigen und vor Krankheiten zu schützen. Auch heute springen Menschen für Glück und Fruchtbarkeit über kleinere Feuer.

  • Fruchtbarkeit: Beltane feiert die Vereinigung von Himmel und Erde. In der Mythologie ist es die Zeit, in der der „Grüne Mann“ (Waldgott) und die „Maikönigin“ (Erdgöttin) zueinanderfinden.

  • Der Maibaum: Der Maibaum ist ein klassisches Beltane-Symbol. Er repräsentiert die Weltenachse und die Lebenskraft. Das Tanzen um den Baum mit bunten Bändern symbolisiert das Verweben der Energien.

3. Die Verbindung zur Walpurgisnacht

Im christlichen Kontext wurde der 30. April zur Walpurgisnacht (benannt nach der heiligen Walburga). Während die Kirche versuchte, die heidnischen Bräuche zu verdrängen, vermischten sie sich mit der Zeit:

  • Die „wilden“ Aspekte von Beltane wurden zur Vorstellung des Hexensabbats auf dem Blocksberg umgedeutet.

  • Heute ist die Nacht eine Mischung aus modernem „Tanz in den Mai“, mystischem Naturfest und altem Brauchtum.


Zusammenfassend

Beltane ist ein Fest der Sinne. Es geht darum, dass die Erde nun in voller Blüte steht, die Tage spürbar länger sind und die „dunkle Jahreshälfte“ endgültig vorbei ist. Es ist eine Einladung, das Leben zu genießen und die eigene Kreativität zu feiern.

Ob du nun selbst um die Häuser zieht oder wie ich heute, das bunte Treiben entspannt von oben genieße, ich wünsche allen einen wundervollen, magischen Tanz in den Mai.

Herzlichst,

Cornelia Brutsche

Wegbereiterin für deinen 55+ Neustart mit Sinn

Ein paar spannende Hintergründe zu den keltischen Wurzeln von Beltane habe ich mir zur Auffrischung bei einer KI-Recherche geholt. Der Rest ist pure Hotzenwälder Tradition aus eigenem Erleben.

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